Gaensebluemchen! Oder doch nicht?

"Das Gänseblümchen (Bellis perennis) kenne ich", denkst du jetzt vielleicht. Aber kennst du es auch wirklich? Ist dir bewusst, dass noch mindestens eine sehr ähnliche Art in der Schweiz vorkommt?

 

Frage: Die Pflanze auf dem Bild, ist das das Gänseblümchen? Was denkst du?

Sie sieht zumindest so aus wie das Gänseblümchen. Körbchen mit gelben Röhren- und weissen Zungenblüten, grundständige Blätter, was spricht da dagegen? Tatsächlich könnte man auf den ersten Blick meinen, es sei ein Gänseblümchen. Ist es aber nicht. Warum nicht? Und welche Art ist es dann? Darüber erfährst du weiter unten mehr.

Rätselfragen

Wenn nicht das Gänseblümchen, welche Pflanzenart ist dann auf dem Foto zu sehen?

Und welche Merkmale unterscheiden diese vom Gänseblümchen?

 

Die Lösung folgt wie immer Schritt für Schritt.

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

...

Lösung 1 - die Art

Die Pflanze auf dem Bild oben ist das Alpenmasslieb (Aster bellidiastrum).

Es sieht dem Gänseblümchen sehr ähnlich, lässt sich von diesem aber über ein paar Merkmale eindeutig unterscheiden.

Lösung 2 - Die Unterscheidungs-merkmale

Der Lebensraum

Das Alpenmasslieb (Aster bellidiastrum) wächst in höheren Lagen (montan bis alpin), an eher feuchten und kalkreichen Standorten wie z.B. in feuchten Wiesen, Flachmooren, Quellfluren, und feuchten Waldstellen.

Das Gänseblümchen hingegen kennen wir vor allem aus tieferen Lagen. Zu seinem bevorzugten Lebensraum zählen nährstoffreiche Wiesen, Weiden und Zierrasen, von wo es viele kennen, nämlich aus dem Garten.

In der Regel kommen die beiden Arten nicht zusammen vor. Aber Achtung: Das Gänseblümchen kommt auch in höheren Lagen vor. Es wächst bis hoch in die subalpine Stufe, also bis zur Waldgrenze. Deshalb kann man in den Bergen nicht per se davon ausgehen, dass eine gänseblümchenartige Pflanze nicht das Gänseblümchen ist. Besondere Aufmerksamkeit ist angezeigt bei wechselfeuchten, eher kalkreichen Wiesen höherer Lagen, wo durchaus beide zusammen vorkommen können.

Bild: Ein Flachmoor im Unterengadin auf 1'530 müM vom 17.5.20. Alpenmasslieb (Aster bellidiastrum) zusammen mit der Mehlprimel (Primula farinosa) und dem Alpenhelm (Bartsia alpina). Ein in den Bergen sehr häufiges Trio.


Die Grösse

Das Alpenmasslieb wird meist etwas grösser als das Gänseblümchen. Bis 25 cm gross, gemäss Flora Helvetica. Das Gänseblümchen wird hingegen kaum grösser als 15 cm.

Aber Achtung: Das Alpenmasslieb wird nicht immer so gross, es kann durchaus nur die Gänseblümchengrösse erreichen, wie du im nachfolgenden Bild sehen kannst.


Die Hüllblätter

Diese sind beim Alpenmasslieb relativ lang, schmal und zugespitzt. Beim Gänseblümchen hingegen kürzer und stumpf. Übrigens, die Hüllblätter sind auf dem Rätselfoto oben zu sehen. Wer dieses Merkmal kennt, hat womöglich die Lösung gewusst.


Übrigens: Hast du gewusst, dass das Gänseblümchen immer genau 13 Hüllblätter pro Körbchen hat? Unglaublich, aber wahr. Es lohnt sich mal nachzuzählen :-). Beim Alpenmasslieb sind es mehr als 13.

Bild: Die Unterseite eines Gänseblümchen-Körbchens, einmal mit und einmal ohne Zahlen auf den Hüllblättern.


Pappusborsten - das eindeutigste Merkmal

Die Blüten des Alpenmassliebs haben einen Pappus, jene des Gänseblümchens nicht. Wenn du jetzt nicht weisst, was ein Pappus ist, kommt hier die Erklärung: Die Blüten der Korbblütler sind bekanntlich sehr klein und sie sind zu mehreren, eine Scheinblüte bildend, zusammengefasst (Körbchen). Die einzelnen Blüten (nicht die Körbchen) besitzen keinen grünen Kelch (Betonung auf "grün"), sondern der Kelch ist bei den einen Arten zu Haaren oder Borsten reduziert. Ebendiese Haare werden Pappus oder Pappusborsten genannt. Andere Arten wiederum haben nicht einmal Pappusborsten als Kelchüberbleibsel, bei ihnen fehlt der Kelch vollständig. Dieses Merkmal, also Pappusborsten vorhanden oder nicht, kann man zur Identifizierung von Gänseblümchen und Alpenmasslieb hinzuziehen, denn die Blüten des Alpenmassliebs haben eben einen Pappus, jene des Gänseblümchens haben keinen (siehe Pfeile im nachfolgenden bzw. nebenstehnden Bild). Eindeutiger geht's fast nicht.


Mit diesen Merkmalen bist du nun gewappnet und wirst bestimmt kein Alpenmasslieb als Gänseblümchen ansprechen. Solltest du dir doch mal unsicher sein, sieh nach, ob die Blüten einen Pappus haben. Wenn ja = Alpenmasslieb, wenn nein = Gänseblümchen.

 

Hat dir dieses Rätsel gefallen? Dann freuen wir uns, wenn du es uns in den Kommentaren wissen lässt. :-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 11
  • #1

    Gabriela (Sonntag, 02 Mai 2021 14:12)

    Sehr lehrreich und gut und anschaulich erklärt; Vielen Dank

  • #2

    Annalea (Sonntag, 02 Mai 2021 14:58)

    Grondius, so prezise und gut verständlich erklärt. Genau wie in den Kursen. Ich freue mich sehr. Grazia fichun.

  • #3

    Susanne (Sonntag, 02 Mai 2021 15:03)

    Wieder einmal ein spannendes Rätsel und super erklärt, Danke!

  • #4

    Vreni (Sonntag, 02 Mai 2021 18:57)

    Danke für die super Präsentation der beiden Arten. Ich freue mich auf weitere Gegenüberstellungen.

  • #5

    Hermann (Sonntag, 02 Mai 2021 20:13)

    Ich kann die vorangehenden Einträge nur voll und ganz unterstützen!

  • #6

    Vreni (Sonntag, 02 Mai 2021 21:03)

    Schon wieder etwas richtig Spannendes gelernt!
    Vielen Dank für die gute Erklärung.

  • #7

    Philippe (Montag, 03 Mai 2021 07:19)

    Top! Ich freue mich auf weitere Rätseln.

  • #8

    Evelyne (Montag, 03 Mai 2021 09:23)

    Super dieses Rätsel. Ich habe wieder etwas Neues gelernt. Ich freue mich auf mehr.

  • #9

    Heini (Montag, 03 Mai 2021 14:29)

    Fast unglaublich, das mit den 13.
    Vielen Dank für den Pappus...und die schöne Erklärung.

  • #10

    Daniel (Dienstag, 04 Mai 2021 09:08)

    Wunderbar was ihr auch aus dem "profanem" Gänseblümchen alles rausholen könnt. Und gerade gestern am Üetliberg konnte ich die Unterschiede bei der Aster bellidiastrum üben und anwenden.

  • #11

    Lotty (Dienstag, 04 Mai 2021 10:15)

    Durch diese spannende Erklärung freue ich mich auf weitere Entdeckungen im Feldbotanik Grundkurs. Danke!